Hilfe und Zukunft für Bam e.V.

Bamreise November 2006
 

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Wie im Rundschreiben November 2006 angekündigt, unternahmen Ulrike und Bertram Seitz vom 11.11. – 25.11.2006 eine weitere Reise nach Bam. Im folgenden Bericht möchten wir Sie über den Verlauf und die Ergebnisse dieser Reise unterrichten.

Nach unserer Ankunft in Teheran und der herzlichen Aufnahme durch unseren Freund Maziar und seine Familie kauften wir zusammen mit Herrn Mansourian, dem Leiter der Organisation SPASDI, die sich um sozial benachteiligte Menschen kümmert und die nach dem Erdbeben eine Außenstelle in Bam aufgebaut hat, fünf Nähmaschinen einschließlich Arbeitstischen und eine Zuschneidemaschine. Mohsen, ein weiterer Freund, stellte uns sein Auto zur Verfügung und so konnten wir uns mit einem Teil der Nähmaschinen und den aus Deutschland mitgebrachten Koffern mit gespendeten Kleidern, Spielsachen und einem PC auf die 1300 km lange Reise nach Bam aufmachen.

zu Gast beim Polizeioffizier
Zum Zoomen auf das Bild klickenzu Gast beim Polizeioffizier


Die Straße führte uns am westlichen Rand der Wüsten Kavir und Lut entlang. Wir kamen gut voran, und als wir unterwegs in dem kleinen Oasenstädtchen Anar im Auto übernachten wollten, erlebten wir ein typisches Beispiel iranischer Gastfreundschaft: Ein Polizist, der mit seinem Auto Streife fuhr, lud uns zum Übernachten in sein Haus ein. Seine Familie war über den überraschenden, späten Besuch sehr erfreut, man reichte uns Tee, Datteln und geröstete Pistazien, und mit Händen und Füßen, ein paar Brocken Persisch und Englisch und einem deutsch- persischen Wörterbuch gelang eine Verständigung über Familie, Berufe und Essen.

So konnten wir am nächsten Morgen gut ausgeruht die Fahrt nach Bam fortsetzen und erreichten die Oase am Nachmittag. Auf der Fahrt ins Zentrum sahen wir beiderseits der Straße noch viele Ruinen und viel Schutt aber auch viele Baustellen und Baumaterialien. Die meisten Geschäfte waren nach wie vor noch in Containern untergebracht, auch einige Zelte waren noch zu sehen. Insgesamt herrschte ein sehr betriebsamer Eindruck.

der Palmenhain von SPASDI, "ein Paradies"
Zum Zoomen auf das Bild klickender Palmenhain von SPASDI, "ein Paradies"

Wir brachten zunächst unsere Nähmaschinen zu SPASDI und stellten erfreut fest, dass die übrigen Maschinen auch schon da und z.T. bereits aufgebaut waren. Überhaupt hat uns die Arbeit dieser Organisation sehr beeindruckt. In einem 2000 qm großen Dattelpalmenhain sind mehrere Container untergebracht, in denen Näh- und Computerkurse für Frauen und Jugendliche, in der Hauptsache Mädchen, abgehalten werden, die durch das Erdbeben ihre Männer bzw. ihre Väter verloren haben und denen so eine Erwerbsmöglichkeit geschaffen werden soll. Die Kurse schließen mit einer anerkannten Prüfung ab und wir erlebten zufällig einen Prüfungstag mit. Auch durch die Möglichkeit der Dattelernte und deren Erlös wird bedürftigen Familien eine monatliche Unterstützung zuteil.
Der Palmengarten von SPASDI und die dort herrschende Atmosphäre kam uns wie ein kleines Paradies vor und Herr Mansourians Person und Arbeit überzeugten uns sehr. Da er dabei ist, auf dem Gelände einen kostenfreien Kindergarten für Waisen einzurichten, beschlossen wir spontan, die Kosten für einen Teil der Einrichtung zu übernehmen.
Der Besuch im Krankenhaus, dem wir im letzten Sommer einen Krankenwagen gespendet hatten, war zunächst nicht ganz so erfreulich. Das Fahrzeug ließ sich seit einem Monat im fünften und im Rückwärtsgang nicht mehr fahren und das Krankenhaus hatte kein Geld, um eine Reparatur zu bezahlen. Andrerseits wurde es dringend benötigt. Nach eigenen Reparaturversuchen und Telefonaten mit der Werkstatt in Deutschland, die den Wagen vor der Ausfuhr überholt hatte, beschlossen wir nach vielen Überlegungen und Gesprächen, uns an den Reparaturkosten zu beteiligen. Man fuhr den Krankenwagen in eine 200 km entfernte VW-Werkstatt und wir konnten uns überzeugen, dass ein Austauschgetriebe eingebaut wurde. Mittlerweile ist der Krankenwagen wieder im Dienst der Menschen von Bam im Einsatz.

die Zitadelle von Arg-E-Bam in der Abendsonne
Zum Zoomen auf das Bild klickendie Zitadelle von Arg-E-Bam in der Abendsonne



Die aus Deutschland mitgebrachten Sachspenden ließen sich ohne Probleme verteilen.
So kann SPASDI den PC gut einsetzen. Die Spielsachen (Kuscheltiere, Puzzles, Dominos) übergaben wir einem Kindergarten, den wir schon im letzten Jahr aufgesucht hatten und von dem wir sehr angetan waren. Wir hatten uns vorher angekündigt, und die Kinder warteten schon neugierig auf uns.
Bei der Verteilung der Kleidungsstücke war uns Herr Tohidi, der Fremdenführer der Zitadelle von Bam sehr hilfreich. Er kennt die Familien im vom Erdbeben am meisten betroffenen Stadtzentrum sehr gut und weiß, wo die Not am größten ist. Mit ihm besuchten wir vier Familien, die alles verloren haben in ihren Wohncontainern, wo wir v. a. Kinderkleidung abgaben. Aber auch die Nachfrage nach warmer Kleidung für ältere Menschen war sehr groß.
Wir hatten wirklich das Gefühl, am richtigen Ort zu sein.

noch viele Spuren vom Erdbeben ...
Zum Zoomen auf das Bild klickennoch viele Spuren vom Erdbeben ...

Von Herr Tohidi erfuhren wir auch, wie sehr das Erdbeben dem Tourismus, einem früher außerordentlich wichtigen Wirtschaftszweig der Stadt, geschadet hat. Die fast 2000 Jahre alte Zitadelle von Arg-e-Bam ist Weltkulturerbe und wurde fast völlig zerstört. Mittlerweile hat man den größten Teil des Schutts über riesige Förderbänder zwar nach außen befördert, aber die vorher hervorragend restaurierten Zitadellengebäude sind nur noch Ruinen.
Während nach Tohidis Ausage früher bis zu 200 Besucher an einem Tag kamen, sind es heute noch höchstens 30 bis 50 in einem Monat. Aber auch die Ruinen von Arg-e-Bam sind trotz Zerstörung noch so imposant und faszinierend, dass wir ihnen jedes Mal einen Besuch abstatten müssen.

...und unzählige Baustellen
Zum Zoomen auf das Bild klicken...und unzählige Baustellen



Durch das Erdbeben gab es mehr als 250 Menschen mit Wirbelsäulenverletzungen, die nun an Rollstühle gebunden sind. Mit der Organisation, die diese betreut, stehen wir schon seit unserem ersten Besuch im Sommer 2004 in Kontakt. Sie versorgt und beschäftigt die behinderten Menschen z.T. in einem Zentrum und durch Sozialarbeiter auch in deren Wohnungen. Bereits im März 2005 hatte man uns geraten , für die behinderten Frauen zuhause Staubsauger anzuschaffen, da sie somit besser in der Lage seien, ihre Wohnungen sauber zu halten. Damals hatten wir in Bam 13 Staubsauger gekauft und direkt bei den behinderten Frauen abgegeben. Dieses Mal kauften wir fünf Staubsauger und fuhren dann mit einer Sozialarbeiterin und einer Adressenliste durch die Oase, um die Geräte wiederum vor Ort abzugeben.

im Kindergarten
Zum Zoomen auf das Bild klickenim Kindergarten

Nach einer Woche verließen wir Bam wieder in Richtung Teheran. Hinter uns lagen eine Stadt, die langsam mit ihrem Wiederaufbau beginnt, sowie eine Reihe beeindruckender und nachhaltiger menschlicher Begegnungen. Täglich mehrmals waren wir zu Tee und Datteln eingeladen worden. Es gibt wohl niemanden in Bam, der keine näheren Angehörigen verloren hat, die wenigsten haben bis jetzt ein neues Haus – Hilfe ist hier noch lange vonnöten.

Abschiedsfeier mit den Freunden in Teheran
Zum Zoomen auf das Bild klickenAbschiedsfeier mit den Freunden in Teheran



Die letzten zwei Tage verbrachten wir in Teheran zusammen mit unseren Freunden, die uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden und uns in schwierigen Situationen Mut gemacht hatten. Und als wir abflogen, hatten wir einige Päckchen Datteln im Gepäck – Geschenke aus Bam – und das Gefühl, ein klein wenig geholfen zu haben.
Für die nächste Reise nach Bam gibt es bereits neue Pläne und Ideen.

Bertram Seitz
Vorsitzender des Vereins „Hilfe und Zukunft für Bam“

Letzte Aktualisierung: 19. Nov 2008