Hilfe und Zukunft für Bam e.V.

Reisebericht zu dem Hilfsprojekt vom März 2008
30.03.2008

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Liebe Freunde von Bam,

bei der jüngsten Reise nach Bam im März diesen Jahres konnten mehrere neue Hilfsprojekte abgewickelt werden.

Die dafür notwendigen Vorbereitungen begannen bereits im vergangenen November und nahmen einige Monate in Anspruch. Dabei ging es zum einen darum, die Bedürfnisse der von uns unterstützten Personengruppen wie besonders bedürftige Familien, Waisenkinder oder Querschnittesgelähmte zu erkunden, zum anderen aber auch die Realisierung der Projekte mit den uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln in Einklang zu bringen.


Die Außenspielgeräte eines Kindergartens, die wir letztes Jahr gekauft hatten, werden rege genutzt.


Viele Emails und Telefonate mit befreundeten Kontaktpersonen gingen zu diesem Zweck hin und her, bis endlich feststand, an wen und vor allem in welcher Form die Unterstützung erfolgen sollte. Einiges von dem ursprünglich Geplanten musste durch eine veränderte Sachlage dann wieder abgeändert werden.

Daneben galt es eine ganze Reihe logistischer Aufgaben schon vor der Reise zu lösen. Diese waren u.a.
- Beschaffung und Bereitstellung von Hilfsgütern in Teheran und Bam
- Klärung des Transports nach Bam (1250 km)
- Fahrzeugbeschaffung für die Zeit des Aufenthalts (ein Auto ohne Fahrer zu mieten ist im Iran nicht möglich)
- Terminliche Abstimmung mit Freunden und Bekannten in Teheran und Bam
- Klärung von Unterkunft in Teheran und Bam
- Visabeschaffung
u.v.m.

Dies alles war erforderlich, da die Zeit vor Ort wie bei jeder Reise nur sehr begrenzt war. Dabei sind die persönlichen Kontakte mit den Menschen, denen man hilft oder mit denen man zusammenarbeitet, neben der eigentlichen Hilfe sehr wichtig. Trotz mangelnder Sprachkenntnisse auf beiden Seiten ist es erstaunlich, wie gut eine Kommunikation mit wenigen Worten funktionieren kann.

So vorbereitet bin ich am 7. März von Frankfurt aus mit etwas Übergepäck und vielen Gastgeschenken nach Teheran gestartet. Meine Frau hatte zahlreiche, kleinere Geschenke (Süßigkeiten, Souvenirs aus unserer Region, Fotos von den vergangenen Besuchen, Kinderspielzeug) gekauft und eingepackt, denn jeder unserer zuverlässigen Freunde und Helfer in Teheran und Bam sollte auch bedacht werden. Schließlich erwartete mich neben viel Arbeit auch eine kaum zu überbietende Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.


Hilfe für eine querschnittsgeähmte Frau

In Teheran angekommen wurde ich von meinem Freund Maziar und seiner Familie am Flughafen herzlich empfangen; bei ihnen konnte ich, wie schon die Male zuvor, wohnen und schlafen. Von ihnen erhielt ich auch wertvolle Tipps und interessante Einblicke in den Familienalltag und das iranische Gesellschaftssystem. Von Mohsen, den ich vor drei Jahren in Bam kennen gelernt hatte und der jetzt in Teheran lebt, erhielt ich ein Auto für die Reise zur Verfügung gestellt. Dadurch war ich absolut flexibel und unabhängig – ein wichtiger Faktor bei der zeitlichen Begrenztheit des Aufenthalts.
Von den in Teheran georderten Hilfsgüter wurden die größeren Artikel, wie Staubsauger, Nähmaschinen u. ä. mit einem Kleintransporter nach Bam gebracht, kleinere wie Kleidung nahm ich selbst im Auto mit.

Die 1250 km lange Fahrt verlief ohne Probleme – nicht selbstverständlich angesichts der zahlreichen Unfälle auf der Strecke.
In Bam bekam ich kostenlos Quartier auf dem Gelände des Aflatoonion Krankenhauses, das vor fast drei Jahren einen gebrauchten Krankenwagen von uns erhalten hatte. Dieser ist noch im Einsatz und es bestehen nach wie vor herzliche Kontakte.

In den folgenden Tagen galt es im Wesentlichen, drei verschiedene Projekte abzuwickeln. So wurden viele Kinder und Jugendliche, die bereits bei der Aktion im Mai 2007 mit den Paketen der Schüler des Heidelberger St. Raphael Gymnasiums bedacht worden waren, erneut besucht. Alle diese Kinder und Jugendlichen haben bei dem Erdbeben Vater und / oder Mutter und oft noch Geschwister und Großeltern verloren und sind teilweise bei Verwandten untergebracht. Sie erhielten Kleidung, die bereits in der entsprechenden Größe in Teheran gekauft worden war (Schuhe, Hose, Hemd für die Jungen; Schuhe, Hose, Mantel für die Mädchen), Schulbedarf, teilweise auch Einrichtungsgegenstände für die Wohnung oder Nähmaschinen, um den Müttern ein Einkommen zu sichern. Die Freude darüber und auch über das Wiedersehen war sehr groß.

Ein umfangreiches Projekt war die Unterstützung querschnittsgelähmter Frauen und Männer, die von einer gemeinnützigen Organisation in einem Zentrum oder in der Stadt betreut und gefördert werden. Für diese Menschen ist es wichtig, dass sie in ihre Familien integriert werden und diese selbständig versorgen können. So wurden eine Vielzahl Toilettenrollstühle gekauft, aber auch Waschmaschinen, um die Versorgung der Familien zu erleichtern. Auch hier ergaben sich viele nachhaltige menschliche Begegnungen. Ein Highlight war ein gemeinsames Abschiedsfest, zusammen mit ca. 20 Querschnittsgelähmten, ihren Ehepartnern und Kindern sowie den Betreuern.

Ein weiteres Projekt war die Unterstützung eines Kindergartens, in dem bedürftige Kinder, die fast alle ihre Väter verloren haben, kostenlos betreut werden und für den beim letzten Mal bereits die Außenspielgeräte gekauft worden waren. Wie erwähnt, hatten auch die Kinder der Neidensteiner Grundschule von ihrem Taschengeld gespendet, und mit diesem geld konnten für jedes der 14 Kindergartenkinder je ein Paar Schuhe und eine Hose gekauft werden, die diese mit sichtlicher Freude und voller Stolz in Empfang nahmen.


Beim Abschiedsfest im Rehazentrum für Querschnittsgelähmte

Bei jedem meiner Besuche in Bam, nehme ich mir auch viele Stunden Zeit, in denen ich zu Fuß die Oase erkunde, um einen Eindruck über den Fortschritt und den Wiederaufbau der Oase im Süden des Irans zu gewinnen. Sicherlich sind die meisten Trümmer beseitigt, unzählige private und öffentliche Gebäude neu errichtet, Straßen, Plätze und die so wichtigen Bewässerungskanäle erneuert worden und trotzdem gibt es immer noch sehr viele Menschen, die unter einfachsten Verhältnissen leben. Der Verlust von Angehörigen und / oder der eigenen Gesundheit wird diese Menschen zusätzlich und vermutlich ihr Leben lang belasten. Ihnen galt in den vergangenen dreieinhalb Jahren unser Einsatz, den wir mit unseren Mitteln fortführen werden.

So verließ ich Bam mit einem gemischten Gefühl, zum einen, dass auch die diesmalige Aktion eine runde Sache war, die großen Anklang gefunden hatte, zum anderen, dass noch viel Hilfe notwendig sein wird.

In Teheran hatte ich die besondere Gelegenheit, mit Freunden und Bekannten das Iranische Neujahrsfest mitzuerleben, das auf dem altiranischen Zarathustra-Glauben beruht und mit dem Frühlingsanfang beginnt. Dieses Fest wird über mehrere Tage gefeiert und stellt den Höhepunkt im Jahresablauf dar. Hierfür wird tagelang vorher das Haus geputzt, die Menschen kleiden sich neu ein, man gibt Neujahrsgeschenke, die ganze Verwandtschaft wird besucht, ein festlicher Tisch mit sieben genau bestimmten Lebensmitteln wird aufgebaut. Es herrscht eine fröhliche Aufbruchsstimmung, die allerortszu spüren ist. Dies mitzufeiern stellte einen besonderen Abschluss dieser Reise dar.

Der Verein „Hilfe und Zukunft für Bam e.V.“ bedankt sich bei allen, die an seiner Arbeit Interesse zeigen und durch Sach- und Geldspenden die Realisierung der Hilfsprojekte mit unterstützt haben und wünscht Ihnen auch weiterhin alles Gute.


Viele Grüße
Bertram Seitz
Letzte Aktualisierung: 12. Nov 2008