Hilfe und Zukunft für Bam e.V.

Bamreise Januar 2009
 

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Zeitnah anlässlich des 5. Jahrestages des verheerenden Erdbebens am 26.12.2008 unternahmen Bertram und Ulrike Seitz vom 01.01. - 12.01.2009 eine weitere Reise nach Bam, um verschiedene Hilfsprojekte zu realisieren

Nach einer Planungs- und Vorbereitungszeit, die sich wie üblich über mehrere Monate erstreckte (siehe auch Reisebericht März 2008), starteten wir nach Teheran und nach einem Zwischenstopp bei unseren Freunden flogen wir am 3. Januar frühmorgens nach Bam weiter.

Es war ein traumhafter Flug über das iranische Wüstenhochland mit den einzelnen Oasen und z. T. schneebedeckten Berggipfeln und mit einem grandiosen Sonnenaufgang über der Salzwüste im Osten.
In Bam wurden wir von Mitarbeitern der Hilfsorganisation BSCIA (Bam Spinal Cord Injured Association) auf das Herzlichste begrüßt. Diese Organisation betreut einen Großteil der durch das Erdbeben querschnittsgelähmten Menschen und deren Familien. Ein Teil der Behinderten wohnt in mehr oder weniger wiederhergestellten Häusern, für einen weiteren hat die Organisation in einer riesigen Containersiedlung etwas außerhalb Wohncontainer erworben, die sie mit Einrichtungsgegenständen ausstattet. Sie organisiert von dort auch den Transport zu einem Arbeitsplatz, in ein Rehazentrum o.ä. Wir bekamen einen solchen Container als Quartier für die nächsten Tage zur Verfügung gestellt und wohnten somit mitten unter den behinderten Menschen.
Da wir unser Budget, das für diese Reise zur Verfügung stand, nicht ganz verplant hatten, war es auch möglich, spontane Entscheidungen zu treffen. So konnten wir bei einer querschnittsgelähmten Frau mit 3 Kindern einen alten, absolut gefährlichen Gasherd durch einen neuen ersetzen, eine Familie mit fünf Kindern bekam noch einen Heißwasserboiler, wieder andere warme Bettdecken, für die um diese Jahreszeit äußerst kalten Wüstennächte. Weiterhin kauften wir auf einen Vorschlag der Organisation mehrere Betten. Üblicherweise werden nämlich am Abend auf dem Boden Matten zum Schlafen ausgebreitet, was für Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe fast nicht möglich ist. Ein Bett ist da viel einfacher.

Es war uns auch wichtig zu sehen, was aus den Menschen und Einrichtungen geworden war, die wir schon bei früheren Besuchen unterstützt hatten. Überall wurden wir herzlich empfangen. So im Aflatoonion-Krankenhaus, wo der im Sommer 2005 überführte Krankenwagen noch im Einsatz ist, ebenso wie in einem Kindergarten für bedürftige Kinder, für den wir Teile der Inneneinrichtung die Außenspielgeräte und Einrichtungsgegenstände, die wir früher gekauft hatten. Ganz besonders gefreut hat uns der Besuch bei der ehemaligen Leiterin des Kindergartens, für den wir bei unserer ersten Bamreise ein halbes Jahr nach dem Erdbeben Kinderwiegen gekauft hatten. Jener Kindergarten existiert zwar nicht mehr, da das Gelände verkauft wurde, aber sie hat es geschafft, einen eigenen Kindergarten mit mehreren Mitarbeiterinnen aufzubauen, der hervorragende Arbeit leistet.

In den Zeitraum der Reise fiel auch das Aschura- Fest, ein wichtiges religiöses Fest, das im Gedenken an das Martyrium des Imam Hossein ibn Ali im Jahre 680 in der Schlacht von Kerbela gefeiert wird. An mehreren Tagen fanden Trauerprozessionen mit Musik und Gesängen und Passionsspiele statt. Wir standen zunächst etwas unsicher und befremdet in der Menge am Straßenrand. Doch wir wurden immer wieder sehr freundlich angesprochen, man fragte, ob man uns helfen könne oder wie es uns gefalle und reichte uns ebenfalls Becher mit einem Getränk, das nach Rosenwasser schmeckte. An diesem Fest wird auch besonders an die Armen gedacht, denen z. B. Lebensmittel geschenkt werden. Wir hatten das Glück, mit unserem Englisch-Dolmetscher und seiner Familie an einer Feier in einer kleinen Oase außerhalb Bams teilzunehmen. Hierzu hatte eine Familie das ganze Dorf zu einem Essen eingeladen, für das in riesigen Kesseln eine kräftige Suppe gekocht wurde. Wir waren ebenfalls eingeladen und saßen, getrennt nach Frauen und Männern, mit den Dorfbewohnern beim Mahl zusammen. Ein sehr beeindruckendes Erlebnis!

Bei unseren Fahrten und Fußmärschen durch Bam konnten wir sehen dass, es mit dem Wideraufbau vorangeht: der komplett neu aufgebaute Basar wird vermutlich bis zu unserem nächsten Besuch in Betrieb sein, der Wiederaufbau der Zitadelle macht Fortschritte, die Menschen arbeiten an ihren Häusern.
Nachdem die gekauften Artikel abgerechnet, die Übergabe der Spenden bestätigt und alles dokumentiert war, luden wir unsere Helfer und Freunde zu einem gemeinsamen Imbiss ein Am nächsten Morgen verließen wir Bam in dem Gefühl, dass Bam wieder eine lebendige, geschäftige Stadt geworden ist aber auch mit dem Wissen, dass es aber nach wie vor immer noch viele Menschen gibt, die Hilfe benötigen.

Die letzten beiden Tage unserer Reise galten wie immer unseren Freunden in Teheran, die uns über die Jahre mit guten Ratschlägen und tatkräftiger Hilfe unterstützt und uns immer ermutigt hatten.
Letzte Aktualisierung: 02. Mar 2010